Der Sinn des Lebens

Unsere Mutter verliert immer mehr das, was sie bisher als Mensch ausmachte, sie verändert sich, vergisst, kurz, sie wird dement. Manchmal merkt sie es, dann ist sie völlig verwirrt und wohl auch verzweifelt, aber darüber spricht sie nicht. In unserer Familie wurde nie viel gesprochen. Also, es wurde lamentiert, es war laut, die Familienfeste (ich stamme aus einer Großfamilie) waren Jahrhundertereignisse mit zum Teil äußerst turbulenten Szenen am Esstisch oder an der Kaffeetafel. Wir Kinder haben das genossen, es ging hoch her und Tante Berta lief jedesmal dunkelrot an und drohte zu platzen, hach war das köstlich.

Aber man hat eben nicht über „sowas“ gesprochen. Zu „sowas“ gehören Gefühle, Wünsche, Verletzungen, schlimmer Erinnerungen, Krankheit. Es sei denn, das übliche, Wetterfühligkeit und offene Beine. Aber Krankheiten, Verletzungen an der Seele? Niemals. Über sowas redete man nicht. Schon gar nicht die Kriegskinder. Meine Eltern sind Kriegskinder.

Und nun steht Mutter da und vergisst Dinge, die eigentlich keinen Gedanken wert sind, solange noch alles in Ordnung ist. Und sie kann ihre Verzweifelung mit niemandem teilen, weil sie sie nicht rauslassen kann. Weil sie keine Worte hat und keine Worte haben will. Und unser hilfloser aber absolut fitter und sportlicher Marathon-Vater bäumt sich dagegen auf, weil es nicht wahrs ein darf, dass seine Frau entschwindet.

Was ist der Sinn all dessen, was ist der Sinn des Lebens? Wo liegt der Sinn in uns?

Vor seinem Ende sprach Rabbi Sussja:

„In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: ,Warum bist du nicht Mose gewesen?‘ Man wird mich fragen: ,Warum bist du nicht Sussja gewesen?'“

Chassidische Legende

Die Mönche

Es waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berühren.

Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen vom Ziel abbringen können. Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott.

Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür. Bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete. Und als sie eintraten, da standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle.

Da begriffen sie: der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat.

Meine neue Leidenschaft ist das Häkelschwein

Ein Häkelschwein ist ein gehäkeltes Schwein, wie der Name schon sagt. Und mit diesem Häkelschwein fährt man durch die Welt und erlebt so einiges, hier z.B. ist das Häkelschwein sehr durchsetzungsfähig


und hier ist das Häkelschwein auf dem Weg in den Bunker


und es gibt viele Menschen hier in Deutschland, die mit ihrem Häkelschwein so manches erleben, sie laufen mit ihrem Häkelschwein herum und machen als Beweis ein Foto, schaut mal hier oder hier oder hier oder hier und auf noch vielen vielen tausend Seiten, die alle gesammelt werden vom Häkelschweintwitter und wer jetzt sagt, das sei unsinnig, der hat Recht. Es ist absolut unsinnig, aber es macht einfach Spaß.

ich habe wirklich…

…unglaublich gerne in der Technik gearbeitet, wirklich, also der Computertechnik, 20 Jahre lang, sehr sehr gerne, aber die Zeit ist um. Die Pionierzeit war die schönste Zeit, die Anfänge, was habe ich das gerne gemacht. Manchmal vermisse ich es.

Doch jetzt ist alles nur noch klickibunti und windoofs. Und das macht nun wirklich keine Freude mehr.

Am Ende der Welt

Wer mal so richtig Bock auf dunkle Gedanken hat, der denkt sich ans Ende der Welt, wo nur 6 Stunden Tag ist und außerdem ist es kalt. Manchmal scheint dort herrlich die Sonne und es gibt viele Tiere, die man beobachten kann. Manchmal aber eben auch nicht. Dann ist es diesig und windig und kalt und ungemütlich und dieser Ort hat auch einen Friedhof, da ist es auch noch einsam. Der Ort heißt Grytviken und bei Googleearth kann man dann sehen, dass es wirklich das Ende der Welt ist. Grytviken hat nur zwei permanente Einwohner: Marineoffizier Pat Lurcock und seine Frau Sarah. Die kriegen immer Besuch von Touris. Ich finds schon irre, wo man überall wohnen kann. Wie sähe mein Leben aus als Sarah, der Frau von Pat? Heute jedenfalls würde ich dann in eine trübe Suppe gucken und beim Anblick dieses Friedhofs seufzen. Vielleicht würde ich Pat einn leckeren Eintopf kochen. Aber eins weiß ich sicher, ich hätte Hunde!!

So schön kann es in Grytviken sein:


Sicherheit

Heute ist Samstag und ich habe meine Samstagsgedanken. Das tut gut und ist doch manchmal verwirrend. Samstag ist Wochenende. Ich liebe Wochenenden. Und ich habe über meinen Beruf nachgedacht. Seit 1977 bin ich, mit einer kurzen Unterbrechung, Beamte. Und erst jetzt bin ich in der Lage zu sagen, ich bin es gerne. Ich weiß nicht genau, warum es so ist, also woran es genau liegt, ich weiß nur, es ist so.

Panta rhei hat genau da gearbeitet, wo ich auch arbeite. Man hat ihr übel mitgespielt, man war nicht in der Lage, ihre Kreativität zu leben, geschweige denn zu fördern. Wer mehr wissen will, frage sie selber, ich kann nur sagen, es war entsetzlich, was sich da abspielte.

Ich versuche nur immer, da eine Linie hinein zu bekommen, also dass es mir da so gut geht und dass es ihr da so schlecht ging. Scheinbar passt es nicht. Und es passt doch. Ich kann das noch nicht so genau erklären. Es wächst noch in mir. Was ich aber weiß ist, dass ich da sehr glücklich bin.

Ich brauche diese Beamtensicherheit. Ich brauche ein festes Gehalt und eine sichere Stelle. Gerade in der heutigen Zeit. Ich kann nicht mit der Unsicherheit leben, die z.B. eine Freiberuflichkeit mit sich bringt.

Als ich anfing war ich Inspektorin. Da war für mich Oberamtsrätin noch was ganz ganz fernes, ich wusste damals auch nicht, ob ich das jemals erreichen will. Heute bin ich Oberamtsrätin. Und ich gestehe, ich bin es gerne.

Ich liebe meinen Beruf, ich liebe meine Arbeit, ich liebe mein Büro. Es geht mir da soooooo gut und ich kann das erste Mal in meinen Leben sagen, ja, es ist richtig so. Es stimmt. Ich bin gerne Beamte.

Das mag sich komisch anhören, aber es ist so, ich bin wirklich gerne Beamte. Ich bin eine glückliche Oberamtsrätin. Gibt es vielleicht nicht viele, aber ich bin eine.