Wendländische Weihnacht mit islamischem Einfluss

Das ist unser Weihnachtsbaum, den ich mit meinem begeisterten Neffen (es ist mit 11 Jahren sein erstes Weihnachtsfest, er ist nämlich Moslem) geschmückt habe. Nun liebt er Weihnachten, die Sache mit den Geschenken unter dem Baum findet er ausgesprochen großartig, wir haben uns schon fürs nächste Jahr verabredet
;-))))

Ich bin dankebar, dass ich eine Familie habe, denn dieses Weihnachtsfest ist das erste ohne meinen Mann.

Und das ist verdammt nicht leicht.

geändert

Es hat sich so viel geändert in den letzten Monaten, seit Hajo gestorben ist. Vieles von dem, was er nicht mehr geschafft hat, haben wir nun hinbekommen. Es musste sich ändern, sonst wäre ich verrückt geworden, aber trotzdem fällt mir der Gedanke manchmal nicht leicht. Jetzt erst merke ich, wie sehr auch mir seine Krankheit schwer auf der Seele lag. Und immer noch liegt.
Ich bin müde.

ich denke so gerne…

…an meine Kindheit bei meinen Großeltern zurück, dort lebte ich auf dem Lande in einem Kinderparadies, das könnt Ihr mir glauben!!


September 1964 war das:


Ich sitze auf einer Decke auf dem Boden im Wohnzimmer. Ich darf die Decke nicht verlassen, hat Oma gesagt, vorher muss der Sand abgeklopft werden. Überall ist Sand. In den Strümpfen. Sogar im Unterhemd. Ich warte auf Oma. Aber die kommt nicht. Ich lege mich auf die Decke. Opa liegt auf dem Sofa. Wir gucken Fernseher.
Ein Mann liest vor. Das ist langweilig. Er liest Lottozahlen vor. Von gestern. Und er sagt „Ohne Gewähr“.
„Opa? Warum sind Lottozahlen ohne Pistole?“
Opa setzt sich auf und guckt mich an. „Ohne Pistole? Wie kommst Du denn auf sowas?“
„Der Mann hat doch gesagt, das ist ohne Gewehr.“
Opa lacht ganz laut. „Nein, Kind, damit ist kein Gewehr gemeint. Gewähr, mit ä.“
„Was ist ein ä?“
„Das ist ein Buchstabe. Wenn Du in die Schule kommst, dann lernst Du das alles. Ein Gewehr mit e ist was anderes als Gewähr mit ä.“
„Können die beide schießen?“
„Nein! Das Gewehr mit e kann schießen, Gewähr mit ä meint Gewährleistung, kennst Du das Wort?“
„Nein, kann das schießen?“
„Gott Kind, hör mit Deinem Schießen auf!“
„Aber wieso sagen die dann, die Lottozahlen sind ohne Pistole?“
„Gewähr! Er hat Gewähr gesagt, nicht Pistole!!“
„Aber eine Pistole ist wie ein Gewehr, nur in kleiner.“


Opas Gesicht wird ein wenig rot. Er guckt mich ernst an. „Kind, ein Gewehr kann schießen, und Gewähr mit ä meint Sicherheit, ohne Gewähr heißt also, ohne Sicherheit!“
Das verstehe ich. Weil wenn man ein Gewehr hat, ist man sicher. Dann kann man schießen. Aber wieso muss man bei Lottozahlen schießen? Das verstehe ich nicht.


„Opa, heißt das, dass die sicher sein müssen bei den Lottozahlen?“
„Ja! Ja genau, die können nicht mit Sicherheit sagen, ob die stimmen.“
„Und darum schießen die?“
„Die schießen nicht!!!!“ schreit Opa „bei Gewähr mit ä schießen die nicht!!!!“
„Und woher wissen die, ob das Gewehr ein ä hat oder nicht?“


Opa guckt mich ganz komisch an. Er legt sich wieder hin und sagt kein Wort.


Oma kommt rein mit einem Tuch, ich soll mich ausziehen und den Sand abklopfen. „Oma, Opa hat gesagt, bei den Lottozahlen haben sie keine Pistole.“ Oma guckt Opa an. „Was Du dem Kind wieder alles erzählst.“ Opa sagt nix. Ich glaube, er wird eine ganze Weile nichts sagen. Er guckt nur an die Decke. Und ich überlege, warum die beim Lotto kein Gewehr haben und doch schießen müssen. Aber ich frage Opa nicht. Ich glaube, er weiss auch nicht so genau warum.

Land des Vergessens

Meine Mutter hat Alzheimer und merkt immer mehr, wie wenig sie kann, wie viel sie vergisst und darüber ist sie sehr sehr verzweifelt. Heute erzählte sie mir furchtbar weinend, dass sie morgens wach wird und dann nicht mehr weiß, wo sie ist.

Mein Vater übt sich in Geduld, für ihn ist es sehr schwer, seine Frau so verfallen zu sehen, war sie doch bisher immer so aktiv und voller Power. Das ist vorbei. Alzheimer ist schrecklich. Sie hat ihre Krebserkrankung überstanden, hat alles mit Bravour gemeistert und nun verschwindet sie im Land des Vergessens.