bedingt einsatzbereit

Das war doch der Titel des SPIEGEL, damals, als es um FJS ging und wo sie Rudolf Augstein für eingebuchtet haben. Oder nein, es hieß doch „Bedingt abwehrbereit“, wer erinnert sich noch? Jedenfalls da war ich Kind, es ist lange her. Aber heute, heute stimmen diese Worte auch für mich 😉

Nein, ich will nicht jammern. Es geht mir gut. Mein Leben war die letzten Jahre schwer. Ich sage nicht schlecht, ich sage schwer. Der krönende Abschluss war eine Krebserkrankung. Heute vor einem Jahr sagte mir mein Professor, ich könne wieder ganz gesund werden, ich solle das bitte sehr optimistisch sehen. Und mein Professor ist kein Schönredner. Und ich sehe es optimistisch.

Aber ich komme nicht darum herum, ich bin nur noch bedingt einsatzbereit. Es ist einfach so. Derzeit nehme ich Aromatasehemmer. Mein Krebs war hormonell bedingt, d.h. das Östrogen stellte einen Wachstumsanreiz für ihn dar. Also nimmt man mir nun mit diesen niedlichen kleinen Pillchen das Östrogen weg. Was sich sehr einfach anhört.

Was chemisch gesehen auch bestimmt nicht so furchtbar kompliziert ist. Mag sein. Aber mein Alltag ist  seitdem eben nicht mehr so einfach. Im Alltag bin ich bedingt einsatzbereit. Das ist einfach so.

Dass meine Haare dünner geworden sind, geschenkt, das werden sie im Alter sowieso und Wallehaare hatte ich noch nie. Dass ich manchmal nicht schlafen kann, auch geschenkt, es ist so selten und dann koche ich mir eben einen Kaffee und setze mich an den Computer. Viel schlimmer sind die Knochenschmerzen. Holla die Waldfee, meine Gelenke, Fußgelenke, Hüftgelenke und Fingergelenke schmerzen manchmal so schlimm, dass ich das Gefühl habe, ich breche durch. Wenn ich z.B. vom Stuhl aufstehe, dann gehe ich die ersten Schritte gebückt, danach geht es dann. Treppensteigen ist nicht so einfach, geht aber. Es geht alles irgendwie. Nur eben mit Schmerzen. Für die es Schmerzmittel gibt, die ich auch schlucke, aber eben dosiert, ich kann ja nicht ständig betäubt rumlaufen.

Hinzu kommt nach der Bestrahlung die anfallsartige Müdigkeit. Wenigstens einmal am Tag knipst mir jemand das Licht aus. Echt wahr. Das ist nach 20 Minuten vorbei, aber ich muss mich dann legen, sonst sacke ich in mich zusammen.

Fazit: ich bin bedingt einsatzbereit. Ich bejammere den Zustand nicht. Ich muss ihn nur berücksichtigen. Und er ist allemal besser als Krebs.

An den Tagen, an denen ich im Büro arbeite, geht absolut gar nichts mehr. An den Telearbeitstagen geht es ein wenig besser. Ich bin eigentlich ein frohgelaunter Mensch. Und so kämpfe ich mich frohgelaunt durch meinen Alltag. Aber ich kämpfe.

Und doch geht es mir gut. Ich liebe mein Leben. Meine Wohnungssituation ändert sich grad. Ich bewohne ja ein ganzes Haus, nun bin ich in die Wohnung in Parterre gezogen, oben wird demnächst vermietet. Ich will alles nur noch auf einer Etage haben und wozu brauche ich so viele Zimmer. Außerdem, die Sache mit dem Treppen steigen…

Wie gesagt, bedingt einsatzbereit 😉

Ich schwör! Das ist genau so gewesen, ich schwör!!

Griechenland. Santorini. Flughafen. Ein kleiner Flughafen. Ein netter Flughafen. Man kommt rein, 6 Abfertigungsschalter. 4 offen. Es tobt der Bär, weil halt viele Urlauber nach Hause wollen. Es ist viel los. Nichts ungewöhnliches. Aber irgendwie geht es nicht weiter. Es bilden sich Schlangen, nicht an allen Schaltern steht, was da abgefertigt wird. Auf einmal eine Durchsage, die Maschine aus Mykonos zum Weiterflug nach Düsseldorf ist gelandet, die Passagiere mögen sich bitte an den Abfertigungsschalter begeben. Ja aber an welchen? Es wird etwas chaotisch, wir drängen alle vor, ein weiterer Schalter wird geöffnet, es erscheint die Leuchtschrift Düsseldorf. Wir alle hin. Die Koffer werden gewogen, dann müssen wir sie wieder runter nehmen und in die ganz hinterste rechte Ecke zur Security bringen. Aha. Das geht nur wenn wir durch die anderen Schlangen der anderen Abfertigungsschalter durchgehen. Offensichtlich ist was mit den Bändern kaputt. Wie auch immer, es ist ein Geschiebe und Gedränge, aber alles lacht, weil alle noch in Urlaubsstimmung.

Danach, so wird uns gesagt, sollten wir zu Gate 4. Ok, also erstmal die Koffer wegbringen. Eine ellenlange Schlage vor der Security. Aber irgendwann dann ist das auch geschafft, wo ist nun Gate 4? In der hintersten linken Ecke geht es zu den Gates. Also wieder durch alle anderen Schlangen durch, diesmal aber ohne Koffer. Alles lacht, weil alle noch in Urlaubsstimmung.

Wir kommen also in der Halle an, wo die Gates sind, 4 bis 6, die anderen sind offensichtlich in einer andere Halle. Also 3 Gates insgesamt. Man muss es sich so vorstellen, dass da 3 Türen sind, sehen so in etwa aus wie riesige Balkontüren, doppelflüglig, ca. 5 Meter auseinander die Türen, also 5 Meter zwischen jeder Türe. Über Gate 6 steht Düsseldorf. An der Anzeigentafel steht für Düsseldorf Gate 6. Also gehen wir nach Gate 6. Alles ist voll. Gate 5 ist Paris, und bei Gate 4 steht Heraklion. Gut. So sei es. Wir stehen da und warten. Die Franzosen stehen vor Gate 5, die Griechen vor Gate 4 und die Deutschen vor Gate 6. Wie es an den Anzeigetafeln und auch über den Türen steht.

Auf einmal die Durchsage, die Passagiere für Düsseldorf mögen sich bitte nach Gate 4 begeben und die Passagiere für Heraklion nach Gate 6. Panik in den Augen der Franzosen, weil plötzlich von rechts die Deutschen herandrängeln und von links die Griechen. Ein wahnsinniges Geschiebe beginnt, nichts geht mehr, die Balkontüren öffnen sich, die für Paris auch. Und dann bricht Partystimmung aus. Wir stehen wie die Kanthölzer und lachen und haben gute Laune, ich stehe mit zwei Französinnen und zwei Griechinnen zusammen auf einem Qradratmeter und wir kommen aus dem lachen nicht mehr raus. Es ist köstlich. Die Menge schiebt sich von vorne nach hinten, von recht nach links und umgekehrt und es herrscht eine regelrecht lustige Stimmung.

Langsam erreichen wir nach und nach die Balkontüren, müssen unsere Tickets abgeben und gelangen dann auf so eine Art Terrasse, links die Deutschen, in der Mitte die Franzosen, rechts die Griechen. Alle auf einer Terrasse, ohne Begrenzungen. Und wir lachen und lachen und dann kommen drei Busse. Einer für die Deutschen, einer für die Franzosen, einer für die Griechen. Vor uns, in ca. 40 Meter Entfernung, stehen drei Flugzeuge. Die können es ja nicht sein, weil das könnte man ja laufen.

Wir steigen in die Busse ein. Unser Bus, ein Altertümchen, fährt ca. 10 km/h langsam, weil er furchtbar quitscht und wackelt und schlapp zu machen droht, er fährt ein Stückchen gerade aus und hält dann an dem 1. Flugzeug, was da 40 Meter weiter…

Noch beim Einsteigen lachen wir alle herzlich, auch die Stewardessen lachen, alles lacht, wie man innerhalb so kurzer Zeit so ein Chaos verursachen kann, das ist eine echte Leistung!!

Aber es hat alles geklappt, wir sind sogar 15 Minuten früher gestartet, das ist unglaublich. Das muss man erstmal hinkriegen, sowas können wirklich nur die Griechen. Heilloses Chaos, keiner weiß warum, im Grunde ist es auch egal, weil wir sowieso wieder auf einer Terrasse landen, alle zusammen, dann kommen altersschwache Busse und bringen uns 40 Meter weiter… aber es wurden Freundschaften fürs Leben geschlossen!!

Das ist Griechenland!!