Im Orient

1992 war ich das erste Mal in Manama, der Hauptstadt Bahrains. Damals gab es noch kein Internet und alle „freizügigen“ Darstellungen von Frauen waren verboten, was darin gipfelte, dass auf der Verpackung eines aus Europa importierten Kinderplanschbeckens die dort abgebildete Familie partiell verdunkelt wurde, soll heißen, die Mutter war geschwärzt, hatte sie doch einen Bikini an. Und das ging, jedenfalls damals, gar nicht.

Jahre später, das Internet hatte überall Einzug gehalten, besuchte ich mit meiner Schwester den größten Supermarkt der Stadt. Mit unseren NICHT zu vergleichen. Nicht Kaufhaus, Supermarkt. Lebensmittel und so. Und auch das, was Supermärkte nebenher anbieten, unter anderem Fernseher. Und da war doch bis zur Hallendecke eine damals so genannte Videowand aufgebaut, die aus lauter Fernsehern bestand, die man halt kaufen sollte und die zusammen ein Bild ergaben. Und das war Shakira in ihrer vollen Pracht – Bikini ist voll bekleidet dagegen – räkelte sich über die Fernseher verteilt und sang ihr neuestes Lied.

Und keiner von den arabischen und sonstigen Männern stand staunend davor… nein, man hatte sich mittlerweile an leicht bekleidete Frauen gewöhnt. Gewöhnt hatte man sich damals zwar noch nicht an die bislang unbekannte Magersucht, aber sie hielt – wie so vieles aus der westlichen „Zivilisation“ – auch Einzug.

Wenn ich heute nach Bahrain komme, dann erinnert nicht mehr viel an die damalige Zeit, als meine Schwester gefühlt die einzige Frau war, die einen Führerschein hatte UND mit dem Auto herumfuhr. Jedenfalls unter den Einheimischen. Für eine Frau war es einfach nicht schicklich, mit dem Auto zu fahren, unabhängig davon, dass sie es hier rein rechtlich schon lange durfte.

Heute sitzt in mindestens jedem dritten Auto eine Frau. Mindestens. Also am Steuer. Heute gibt es keine Videoleinwände mehr, weil eh alles einen Flachbildschirm hat, meist in Kinoleinwandgröße. Hier ist fast alles XXL. Auch die Familien. Noch. Denn auch das wird sich ändern. Wie so vieles. Wie auch bei uns. Denn auch unsere Mutter war damals, 1958, die erste Frau im gesamten Bekanntenkreis meiner Eltern, die einen Führerschein hatte UND Auto fuhr. Das war zu der Zeit wirklich was besonderes. Und dass Vater sie „fahren ließ“ 😛 auch das war besonders.

Die Welt ändert sich. Unaufhörlich. Und es wird immer Menschen geben, die dagegen Sturm laufen. Die Welt hat sich immer geändert. Wieso glauben eigentlich so viele, dass sie so bleiben müsse, wie sie ist? Hat da jemand im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst? Die Welt hat sich IMMER verändert und sie wird es weiterhin tun. Ob uns das nun passt oder nicht.

Und noch was ändert sich, das Klima, denn sowas hat es „früher“ in Bahrain nicht gegeben (der Tankwagen saugt im übrigen das Regenwasser auf und bringt es weg, weil es nicht mehr abfließt – ungewöhnliche Probleme verlangen halt nach ungewöhnlichen Lösungen):

IMG_2894

Autor: Gabi Schoek

It's only words and words are all I have to take your heard away. (Bee Gees)

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s