Strohwitwe

Ja, das bin ich wohl 😜 das kommt nämlich daher, so eine der Theorien, dass im 16. und 17. Jahrhundert Trupps von jungen Männern durchs Land zogen, die sich im Sommer als Landarbeiter verdingten. Sie halfen beim Sicheln und Mähen von Getreide. Und die Frauen dieser Männer, die in den Heimatdörfern auf deren Rückkehr warteten, die wurden landläufig als „Strohwitwen“ bezeichnet.

Nun sichelt mein Wandersmann nicht herum und verdingen tut er sich schon gar nicht 😎 und ich liege auch nicht auf Stroh, aber ich warte auf seine Rückkehr 😊

Wir wohnen nicht zusammen, so ist es also normal für mich, wenn er nicht da ist, aber so gar keinen Kontakt, das ist schon eine andere Nummer. Doch ich sage ehrlich, das ist mal wirklich richtig gut. Es löst sich was, bleierne Selbstverständlichkeit kann so gar nicht erst entstehen. Das ist bei unserem französischen Modell auch nicht so einfach, weil wir unsere eigenständigen Leben haben, aber trotzdem, eine Pilgerreise tut gut, dem, der pilgert, und der, die stroht 😜

 

Bestellung beim Universum 😉

Es ist schon etliche Jahre her, da saßen mein mittlerweile verstorbener Mann und ich vor dem Fernseher und schauten eine Talkshow. Eine sympathische Frau erklärte dort Bestellungen beim Universum, wie das funktioniere und dass man damit wirklich Erfolg haben könne. Der Moderator fragte ausführlich nach, denn das hörte sich sehr ungewöhnlich an, doch sie vertrat ziemlich fröhlich und nicht weniger bestimmt die Ansicht, dies sei ein sicherer Weg, seine Wünsche erfüllt zu bekommen. 15 Jahre mag das jetzt her sein, meinem Mann, 2010 gestorben, ging es damals noch gut. Kurz danach fuhren wir jedenfalls ziemlich spontan mit dem Auto in die Pfalz, wir wollten ein paar Tage entspannen. Zu spontan, wie sich herausstellte, denn wir bekamen keine Unterkunft. Wir waren überall, hätten fast jeden Preis bezahlt, Hotel, Pension, Privatzimmer, egal, aber es gab nichts. Und als wir reichlich verzweifelt auf einer Schnellstraße bereits wieder Richtung Heimat fuhren, ich saß am Steuer, da meinte ich zu ihm, weißt du was, ich bestelle jetzt ein Zimmer beim Universum. Wir lachten beide, aber ich öffnete das Fenster, der Fahrtwind zauselte an meinen Haaren, und sagte laut: liebes Universum, wir brauchen ein Zimmer, jetzt! Sieh zu, wie du das hinkriegst! Danach mussten wir lachen, Weiterlesen „Bestellung beim Universum 😉“

warum…

…sind wir nicht, wie alle sind, verlieben uns ineinander und ziehen gefälligst zusammen, in ein schönes Häuschen und teilen Tisch und Bett, Rente und dreckige Handtücher, ich mach die Wäsche und er betankt das gemeinsame Auto? Warum um alles in der Welt müssen wir das „französische Modell“ leben, ist doch viel teurer mit zwei Wohnungen und wenn man sich sehen will, muss man sich verabreden…

Nein, nein und nochmals nein, ich will nie wieder „ein Geld“ haben! Ein Geld? Das muss ich Euch erzählen 😎

Ich war jung und frisch verliebt, das ist jetzt 33 Jahre her 😮 also sehr jung und verliebt. Mein damaliger Freund und späterer Ehemann und ich wohnten in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit meiner Freundin. Und wir hatten ein Haushaltsbuch. Mit drei Spalten. Sie, er, ich. Wie das so ist in Wohngemeinschaften. Und wir waren so verliebt. Und so verliebt und oberblöd äh… wie wir waren, beschlossen wir, händchenhaltend und plingplingguckend und sich irre angrinsend… wir haben nunmehr ein Geld! Wir teilen Bett (naja, Matratze, damals noch arme Studenten), dreckige Handtücher… und den ganzen Kram und nun auch das Geld miteinander. Sein Geld ist mein Geld und mein Geld ist sein Geld. Unser Geld. Ein Geld. Und als Ausdruck unser umfassenden Plingplingverliebtheit nahmen wir das Haushaltsbuch und änderten die drei Spalten (sie, er, ich) in zwei Spalten: sie, er&ich. Echt jetzt. Kein Scherz. Wir waren halt jung und blöd… äh verliebt 😎

Meine Freundin kam von der Uni nach Hause und wir strahlten sie an, schau mal, was wir gemacht haben, wir teilen jetzt alles miteinander, wir haben jetzt ein Geld… natürlich bemerkte sie sofort, dass unser Verstand plingplingmäßig ausgesetzt hatte und die Fähigkeit zu rechnen kurzfristig abhanden gekommen war. Wir ließen uns durch nichts überzeugen, ein Geld ist ein Geld und also haben wir nur eine Spalte und nicht mehr zwei. Wir gehören zusammen und Menschen, die zusammen gehören, haben keine zwei Spalten. Das ist unsinnig. Verliebte gehören in eine Spalte. Das ist eine Plingplingwahrheit. Das ist so. Gesetz!

Mit Mühe konnte sie uns davon überzeugen, dass sie von drei gekauften Äpfeln nur einen zu zahlen bereit ist, es dauerte eine Weile, bis wir begriffen, dass eine gemeinsame Spalte nicht das Einmaleins außer Kraft setzt, und wenn wir uns noch so spaltenmäßig lieben 😎

Wir haben, wieder in die Normalität zurück gekehrt, noch Jahre über diese Geschichte herzhaft gelacht. Seit dem ist „ein Geld“ das Synonym für zusammenkleben ohne die Realität zu sehen.

Die Ehe hat übrigens nicht gehalten. Lag aber nicht an dem ein Geld und auch nicht an zwei Geld 😉 wir passten einfach nicht so recht zusammen. Das ist so lange her, dass ich vieles wirklich nicht mehr weiß. Wie auch immer, zusammen kleben kommt für mich nicht mehr infrage. Dann schon eher das französische Model.

Meinem Freund geht es übrigens ähnlich, zwar aus völlig anderen Gründen, aber kleben ist auch für ihn völlig undenkbar geworden. Das hat sich ja nun wunderbar getroffen, zwei Antiklebies 😛 die jeweils ihre eigene Spalte behalten wollen 😎

Aber eins kann ich Euch verraten, wenn man jung ist, dann ist man manchmal wirklich blöd 😫 wenn es auch wunderbar war 😎 einmal so richtig blöd sein darf man im Leben, das gehört einfach dazu!!

mein Freund hat es gut 😎

Das sagt er immer wieder selber, das schicke ich vorweg 😉 dass er es gut hat, nämlich weil ich so gerne koche und er also in den Genuss des bekocht werdens kommt 😋 Es stimmt, ich bin eine leidenschaftliche Köchin, für mich gibt es nichts schöneres, als in der Küche mit Lebensmitteln rumzuhantieren, zu schnippeln, zu brutscheln, zu rühren, zu kneten… mit nie nachlassender Begeisterung stehe ich inmitten meiner vielen vielen Küchenutensilien und werkele herum.

Und demnächst auch mit einer Tajine. Ich wusste gar nicht, dass es dieses Ding gibt. Gefunden habe ich es, wo auch sonst, als ich im Internet nach Rezepten suchte. Es ist so ähnlich wie ein Römertopf, nur ein bisschen anders 😜 und mir liegen solche Gerichte ja sowieso. Ich sehe uns schon im Sommer auf dem Balkon sitzen, die mit Köstlichkeiten gefüllte Tajine zwischen uns, und das Leben genießen!

Aber erst einmal wird gepilgert, nein, nicht ich, mein Freund. Er geht einen Monat den Camino del Norte entlang, hat schon reichlich Reisefieber und freut sich über diese lange Auszeit. Und damit er auch ja wieder kommt, werde ich ihn noch ein wenig verwöhnen 😎 dafür eignet sich eine Tajine ja hervorragend. Leider nicht auf dem Balkon, aber ich glaube, das tut den Köstlichkeiten keinen Abbruch 😊

Und hier ein paar Impressionen aus meiner Küche:

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minimal maximal

Wir haben dieses Jahr Ostern verrenoviert 😉 meine Schwester macht sich doch in ihrem Haus eine Wohnung fertig, also es ist ja so, dass ich meiner Schwester mein Haus geschenkt habe, darum ist es jetzt ihr Haus und nun möchte sie darinnen auch eine Wohnung haben. Das ist echt krass, weil: ich wohne ja nun seit einiger Zeit unten, das ist meine erste Wohnung in meinem Leben sozusagen, da bin ich reingeboren. Und oben, wo ich bisher wohnte, da richtet sich meine Schwester nun ein und da wurde sie reingeboren. Krass, oder?

Sie kommt zwar nur ab und an vorbei, sie wohnt ja im Orient, weit weit weg, aber sie kommt. Ach ist das schön.

Und noch schöner, nein, nicht noch schöner, aber auch schön ist, dass ich am Wochenende wieder mit meinem Freund wandern gehe. Er hat Großes vor und wir müssen üben 😉

Der Sommer möge kommen!!

Und maximal minimal heißt, meine Schwester ist eine Minimalistin, möglichst wenig Möbel, wenig an den Wänden, kaum bis kein Zeug. Ihr Bad sieht so aufgeräumt aus. Ich bin das genaue Gegenteil, alles voller Zeug. Ich LIEBE Zeug. Ich bin ein Zeugmensch 😉

 

Seele von Mensch… äh Hund ;-)

Samstag kommt Basso, also er ist nicht der einzige der kommt, da kommen noch ganz viele andere Menschen, wir feiern nämlich einen Geburtstag, aber Basso kommt eben auch. Basso ist eine Seele von Hund, riiiiiiieeeesig groß, sieht man auf dem Foto gar nicht. Ellenlange Beine hat er, er ist eine Mischung aus Windhund und Schäferhund. Gefunden auf einer Müllkippe, da war er kaum drei Monate alt. Und landete bei mir. Und dann bei meinem Vater. Und die beiden kommen am Samstag auch. Ich freu mich echt! Und Muxi täte es auch, könnte ich es ihm sagen. Wuff! 😉

Lieblingsfotos

Das ist eins meiner Lieblingsfotos von meinen Eltern. Das muss so 1964/65 gewesen sein. Italien. Da waren sie 27 bzw. 28 Jahre alt. Ich liebe es. An das Hemd von meinem Vater kann ich mich noch gut erinnern, es war so weich, ich weiß nicht mehr, welcher Stoff das war, vermutlich gibt es das heute gar nicht mehr.

Urlaub in Italien. Machten das damals nicht fast alle? Mit den kleinen Autos den Pass rauf und den Pass wieder runter, anders kam man ja damals nicht in den Süden.

Ich muss oft an Mutter denken, die Anfang diesen Jahres starb. Jetzt bin ich in meinem Haus (naja, es ist ja das Haus meiner Schwester eigentlich) nach unten gezogen. Etwas hat aufgehört. Abschied nehmen. Es war die alte Wohnung meiner Eltern, die ich nun verlassen habe. Als junges Ehepaar wohnten sie darin.

Ich kann mich an all das noch so gut erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dabei liegt es ein halbes Jahrhundert zurück. Krass.

Kostbar

Dieses Musikvideo von Peter Gabriel hatte ich auf den Seiten meines verstorbenen Mannes verlinkt und seiterzeit gelöscht, weil Abmahner unterwegs waren und es noch keine letztinstanzliche Entscheidung dazu gab. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden, es ist erlaubt. Und als ich das hörte, fiel mir das Musikvideo wieder ein.

Ich finde es wunderschön. Und es macht mich traurig. Denn als ich es einstellte, da war ich Witwe geworden, und mein Ziel, mit meinem Mann gemeinsam alt zu werden, hat sich nicht verwirklichen lassen.

Aber es macht mich nicht nur traurig. Denn zu meinem Leben gehört wieder ein Mann, mit dem ich mir vorstellen könnte, gemeinsam alt zu werden. Ich liebe diesen Gedanken, dieses Gefühl. Diese Vorstellung. Kostbar. Das ist das Wort, das mir dazu einfällt, kostbar!

Die Tage des weißen Elefanten

Mutter ist gestorben. Wir haben sie mit einer schönen Trauerfeier verabschiedet. Nun ist sie von ihrem Leiden erlöst, der Alzheimer hat ein Ende. Ich habe ja schon vor zwei Jahren angefangen, darüber zu schreiben, bald ist das Büchlein fertig, wenn ich es veröffentliche, dann werde ich es hier posten.

Die Tage des weißen Elefanten – Eine Familie und Alzheimer

Es ist ganz schwer, wenn man miterleben muss, wie ein vertrauter Mensch sich so massiv verändert und ohne bevormundende Hilfe ein gemeinsamer lebbarer Alltag nicht mehr möglich ist.

Letztenlich war das Demenzheim ein Segen, denn wenn es zu Hause nicht mehr geht, wenn das gemeinsame Leben endet, dann braucht man Hilfe, Hilfe, um das alles auszuhalten.

Es gibt gute Pflegeheime. Ja, es gibt auch schlimme, aber gute gibt es auch. Und ich mache jetzt ungeschminkt Werbung: die MediPflege24 IST gut. Wenn man schon so ein hartes Schicksal mit tragen muss, dann braucht man solche Hilfe an seiner Seite.

Mutter ist friedlich gestorben. Sie ist einfach eingeschlafen. Vater war bei ihr. Sie hat noch einmal die Augen geöffnet und hat dann aufgehört zu atmen.

Schwer.

Bis wir uns wiedersehen.

Mein Vater

Heute ist ein Erinnerungstag, ich schwelge in Erinnerungen. Telefonierte eben mit meinem Vater, der auf dem Bild hier schlappe 20 Jahre jünger war, da war ich… rechnerechne… 34. Mein Gott, vierunddreißig, das muss man sich mal überlegen. Was habe ich damals gemacht? Mit Absoluter Hingabe und Begeisterung in der IT gearbeitet, die damals noch EDV hieß. So ziemlich als einzige Frau weit und breit. Glaubt heute kein Mensch mehr. Na jedenfalls telefonierte ich mit meinem Vater. Wir sprachen über Mutter. Und dass er doch viel viel früher hätte erkennen müssen, dass sie Alzheimer hat. Hätte hätte Fahrradkette. Das fängt ja alles ganz langsam an. Das glaubt man ja nicht, man glaubt es einfach nicht.

Man glaubt so vieles nicht. Habe heute einen sehr guten Spruch gelesen: Manchmal muss man Dinge laut aussprechen, damit man sie hört und sie wahr werden. Das stimmt. Wie komme ich überhaupt auf all das? Ach ja, Erinnerungen. In denen ich schwelgte. Jetzt habe ich aber genug geschwelgt, jetzt noch eine letzte Hunderunde und dann ins Bett. Gute Nacht!

zurück aus Berlin

1963 oder 64 muss das gewesen sein. Wir haben Mutters Eltern, meine Großeltern besucht, die damals noch in Berlin wohnten. Auf dem Flughafen Düsseldorf war ein Fotograf, der ungewollt Bilder machte, die man dann kaufen konnte. Was meine Mutter offensichtlich getan hat. Denn sonst gäbe es diese Aufnahme nicht.

Meine Mutter war da 25 oder 26 Jahre alt. Den Mantel hat sie sich übrigens selbst genäht, mangels Geld hat sie uns fast alles selbst genäht. Ohne jeh einen Nähkurs besucht zu haben. Sie hat immer Wert auf gute Kleidung gelegt und mein Vater erzählte mir mal „um Deine Mutter haben mich damals alle beneidet“.

Und jetzt ist sie so furchtbar krank.

Meine Mutter

Das ist meine Mutter. Da wusste sie noch nicht, dass sie mal meine Mutter wird. Da war sie 16 und voller Hoffnun und unglaublich talentiert, was nähen anging, auch dieses Kleid hat sie sich aus Resten und was sie im Nachkriegsberlin so auftreiben konnte zusammen genäht. Ich habe lange nicht gewusst, wie sehr mich meine Mutter geprägt hat. Erst so langsam begreife ich es.
Mütter sterben nicht. Gleichen alten Bäumen.
In uns leben sie und in unsren Träumen.
Wie ein Stein den Wasserspiegel bricht,
zieht ihr Leben in dem unsren seine Kreise.
Mütter sterben nicht, Mütter leben fort auf ihre Weise
– Verfasser unbekannt –

Kugeln vor 40 Jahren

Vor einigen Wochen war ich mit meinem Mann in Wuppterthal auf einem Flohmarkt. Wir kamen ziemlich spät dort an und nach kurzer Zeit wollten einge Leute ihre Sachen einfach nur noch los werden und einpacken. So auch die beiden netten älteren Frauen mit lauter Haushaltskrams. Wir wollten es partout nicht kaufen und so lächelten sie sich an, lächelten uns an, nahmen einen riesengroßen Plastiksack und stopften ihn mit Dingen voll. Unter anderem mit Kartons voller alter silberner Weihnachtskugeln.

Da war dann die Idee geboren, dass ich dieses Jahr so einen Baum mache, wie unsere Oma ihn immer gemacht hat. Mit silbernen Kugeln und echtem Lametta aus Staniolpapier. Dank eBay habe ich mir die noch fehlenden Dinge ersteigert und so werde ich also dieses Jahr einen Baum der Erinnerung schmücken. Mit richtig alten wunderschönen Weihnachtskugeln, so, wie sie damals halt Mode waren. Mit echtem Lametta. Alles in Silber.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich dieses Jahr auf das Weihnachtsfest freue!! Ich habe es mir erkämpft, ich habe so viele Brocken beseitigt und mir dieses ruhige und beschauliche Fest erkämpft. Hajo und ich haben es bisher jedes Jahr geschafft, ein schönes Weihnachtsfest hinzukriegen. Diesmal wird es eins ohne die alten Brocken. Aber mit silbernen Kugeln. 40 Jahre alten silbernen Kugeln.

Ich freue mich so. 

Das Bild von Gott

1952 bauten meine Großeltern ein Haus. In einem Dorf, was noch keins war. Weil es da nur zwei Straßen gab. Die eine und die andere, und da wohnten wir. Naja, Straße ich falsch, es waren Kieswege. 1000 qm Land war bei jedem Haus dabei, heute fast unvorstellbar. Zumal für die Gegend, 15 km von Düsseldorf entfernt. Als ich geboren wurde, 1959, gab es nicht viel mehr, nur dass die Siedler, so wurden sie genannt, nun gute und ertragreiche Gärten hatten. Das brauchten sie auch, weil sie ihre „Waren“ tauschen mussten. Geschäfte gab es keine. Meine Großeltern bauten Kartoffeln und Erdbeeren an. Und die Nachbarnsfamilie hatte Stachelbeeren, da standen wir als Kinder immer und pflückten die Sträucher leer…

Oben in dem Haus wohnten Übersiedler, 12 Jahre Mietzeit, im Gegenzug waren die Baudarlehen verbilligt. Und von den Menschen damals konnte sich keiner ein teures Darlehen leisten, darum lebte in jedem Haus eine polnische Familie und darum liebe ich die polnisch-deutsche Aussprache heute noch sehr. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu meinem Schlafzimmer. Als ich das Bild also fand, da musste ich daran denken, was da in dem Zimmer alles mal war. Ganz zu Anfang war es kein Zimmer, da war es ein Speicher und durch den Speicher führten dicke Kabel, die Stromleitungen. Die Häuser brauchten ja Strom. Und darum sind in den alten Siedlerhäuschen die Sicherungskästen auch in der oberen Etage. Weil der Strom ja von oben kam. Zum Speicher kam man über eine herunterklappbare Speichertreppe. Oma versuchte immer, diese Speichergänge vor mir zu verheimlichen, denn natürlich wollte ich mit. Und wenn ich mit durfte, weil ich sie „erwischt“ hatte, dann musste sie mir alles erklären und ich wollte in jede Kiste schauen und jede Dose aufmachen und meist fand ich etwas, was sich zum spielen hervorragend eignete.

Dann zog die Aussiedlerfamilie aus und meine Eltern zogen ein und weil die Wohnungen so klein waren und ich noch eine Schwester bekam, baute mein Vater das Dach zum Elternschlafzimmer um. Mit Rosentapeten. Das war mein Schulklasse, dort spielte ich nämlich immer Lehrerin und die Rosen waren meine Schüler.

Dann wurde getauscht, das Elternschlafzimmer kam nach unten und wir Kinder zogen nach oben. Da wurden die Rosen dann mit Postern von Sweet und Urea Heep bedeckt, ich fand schon mit 12 langhaarige Männer klasse… aber das ist auch eine andere Geschichte.

Tja und dann bauten meine Eltern ein eigenes Haus direkt neben das Haus der Eltern und in die Wohnung zogen dann meine anderen Großeltern aus Berlin. Aus dem ehemaligen Speicher wurde ein Besucherschlafzimmer, wenn Oma Berlins Verwandte aus der DDR kamen. Und irgendwann schlief Oma Berlin da, weil Opa Berlin so furchtbar schnarchte.

Und irgendwann wurde ich groß und zog fort.

Tja, und wie das Leben so spielt, bekam ich eines schönen Tages eine Stelle in Düsseldorf. Da lebte meine Oma, die mit mir immer auf den Speicher ging, und beide Opas, schon nicht mehr. Und so fragte mein Vater, ob ich nicht vielleicht…

Und so kam ich zurück. Aus dem Besucherschlafzimmer wurde mein Schlafzimmer. Und das ist das Bild, was ich gefunden habe. Nebenan hat mein Vater sogar eine kleine Toilette eingerichtet. Heute ist es das Computerzimmer meines Mannes. Welches ich nicht betrete, weil ich sonst einen Schreikrampf kriege. Das ist auch wieder eine andere Geschichte…

Das Haus wurde noch oft geändert, weil Oma Berlin noch dort lebte und meine Tante und dann tauschten wir fröhlich die Zimmer, weil Oma Berlin konnte keine Treppen mehr steigen und was es sonst noch alles für Gründe gab. Heute lebe ich dort alleine mit meinem Mann. Und dem ehemaligen Speicher, den ich nicht betrete, weil ich möchte meinen Mann gerne behalten und ich weiss nicht, wie ich reagiere, wenn ich …

Und wie kommt Gott da ins Spiel? Nun, unten in der Küche meiner Oma, der Speicheroma, hing ein Bild von Maria, in blau, wie sie eine Treppe herabsteigt und die Hand zum Segen erhebt. Oma, die nie viel von Kirche gehalten hat, aber dennoch Heiligenbildchen liebte, musste mir immer und immer wieder die Geschichte von Maria, der Mutter Gottes, erklären. Das ist also die Mutter von Gott? Nun, sie hat es mir nie richtig begreiflich machen können, Jesus und Vater und Sohn und Gottes Sohn, das war mir alles zu hoch. Logisch denken konnte ich aber schon damals. Wenn es also ein Bild von der Mutter von Gott gibt, dann muss es auch ein Bild von Gott geben. Wo ist das?

Irgendwann hat meine Oma meine Fragerei und mein Drängen nicht mehr ertragen und leichtsinnigerweise gesagt, das Bild von Gott liegt auf dem Speicher.

Halleluja!!

Sie wurde mich fortan nicht mehr los und ich wollte unbedingt das Bild von Gott sehen. Sie hat alle Ausreden der Welt erfunden, um nicht mit mir auf den Speicher zu müssen und wenn ich sie doch wieder mal erwischte, musste sie ihr ganzes Geschick einsetzen, damit ich mich nicht an das Bild von Gott erinnerte.

Ich habe das Bild bis heute nicht gefunden 😉 Leider gibt es das Bild von Maria auch nicht mehr. Vielleicht hat meine Oma beides mitgenommen, denn ich bin mir sicher, dass sie im Himmel ist.

Die, die ich bin

Was sagte mein Lalamann heute, ich habe einen Persönlichkeitskonflikt, der in frühester Kindheit verursacht wurde. Also er hat es natürlich nicht einfach nur so gesagt, ist ja ein Lalamann und kein Hellseher. Ich habe in den letzten drei Wochen einen Prozess durchlaufen, der mir die Tsunamieigenschaft meiner Familie bis ins Detail klar gemacht hat und wie ich darin verfangen bin. War. Ich war verfangen, ich habe es ENDLICH kapiert. Mir wird es noch oft passieren, nur verfangen bin ich nicht mehr. Weil ich nun darum weiß. Und gegensteuern kann. Und seit langem zünde ich mir in meinem Zimmer mal wieder ein Öllämpchen an. Das ist so schön. Es kommt langsam die Ruhe, die, die schon lange in mir war, die zu mir gehört, die ich aber nie leben durfte. Die ich erst jetzt entdecke.

Ein Lalamann ist übrigens ein Mann, mit dem Mann lalalalala redet, und zwar über sich selber. Also ein Mann, der das berufsmäßig macht, einen über sich reden lassen 😉 es gibt auch Lalafrauen, aber ich habe einen Lalamann 😉

Stories from the Middle East

My Sister!!

Heute habe ich ja sowas von geschöpft!! Diesmal aber nicht für mich sondern für meine geliebte Schwester!! Sie hat endlich eine eigene Interntseite und schreibt dort ihre Berichte in Deutsch und Englisch und ich finde das GROSSARTIG!!

Also sie schreibt, aber ich muss die Texte reinsetzen, es ist also ein gar einfaches schöpfen.

Aber ein schönes schöpfen. Lieblingsschwesterlich schönes schöpfen!!

Ohne Gewähr


Ein Gespräch zwischen Opa und mir, 1964

Ich sitze auf einer Decke auf dem Boden im Wohnzimmer. Ich darf die Decke nicht verlassen, hat Oma gesagt, vorher muss der Sand abgeklopft werden. Überall ist Sand. In den Strümpfen. Sogar im Unterhemd. Ich warte auf Oma. Aber die kommt nicht. Ich lege mich auf die Decke. Opa liegt auf dem Sofa. Wir gucken Fernseher.

Ein Mann liest vor. Das ist langweilig. Er liest Lottozahlen vor. Von gestern. Und er sagt „Ohne Gewähr“.
„Opa? Warum sind Lottozahlen ohne Pistole?“
Opa setzt sich auf und guckt mich an. „Ohne Pistole? Wie kommst Du denn auf sowas?“
„Der Mann hat doch gesagt, das ist ohne Gewehr.“
Opa lacht ganz laut. „Nein, Kind, damit ist kein Gewehr gemeint. Gewähr, mit ä.“
„Was ist ein ä?“
„Das ist ein Buchstabe. Wenn Du in die Schule kommst, dann lernst Du das alles. Ein Gewehr mit e ist was anderes als Gewähr mit ä.“
„Können die beide schießen?“
„Nein! Das Gewehr mit e kann schießen, Gewähr mit ä meint Gewährleistung, kennst Du das Wort?“
„Nein, kann das schießen?“
„Gott Kind, hör mit Deinem Schießen auf!“
„Aber wieso sagen die dann, die Lottozahlen sind ohne Pistole?“
„Gewähr! Er hat Gewähr gesagt, nicht Pistole!!“
„Aber eine Pistole ist wie ein Gewehr, nur in kleiner.“

Opas Gesicht wird ein wenig rot. Er guckt mich ernst an. „Kind, ein Gewehr kann schießen, und Gewähr mit ä meint Sicherheit, ohne Gewähr heißt also, ohne Sicherheit!“
Das verstehe ich. Weil wenn man ein Gewehr hat, ist man sicher. Dann kann man schießen. Aber wieso muss man bei Lottozahlen schießen? Das verstehe ich nicht.

„Opa, heißt das, dass die sicher sein müssen bei den Lottozahlen?“
„Ja! Ja genau, die können nicht mit Sicherheit sagen, ob die stimmen.“
„Und darum schießen die?“
„Die schießen nicht!!!!“ schreit Opa „bei Gewähr mit ä schießen die nicht!!!!“
„Und woher wissen die, ob das Gewehr ein ä hat oder nicht?“
Opa guckt mich ganz komisch an. Er legt sich wieder hin und sagt kein Wort.

Oma kommt rein mit einem Tuch, ich soll mich ausziehen und den Sand abklopfen. „Oma, Opa hat gesagt, bei den Lottozahlen haben sie keine Pistole.“ Oma guckt Opa an. „Was Du dem Kind wieder alles erzählst.“ Opa sagt nix. Ich glaube, er wird eine ganze Weile nichts sagen. Er guckt nur an die Decke. Und ich überlege, warum die beim Lotto kein Gewehr haben und doch schießen müssen. Aber ich frage Opa nicht. Ich glaube, er weiss auch nicht so genau warum.

Der Anfang

Das war der Anfang. Da war ich noch die, die ich sein wollte. Schon immer zu Späßen aufgelegt. Und da komm ich auch wieder hin! Gutgut, ich sehe etwas anders aus 😉 und äh… naja, die Sache mit den Falten und falschen Zähnen und so, aber ich entdecke mich grad neu. Oder sagen wir, ich entdecke die, die ich bin.